Monatsübersicht Juli 2008
Das vergessene 13. Sternzeichen - Der Schlangenträger (Ophiuchus)
Eingebettet zwischen den bekannten Sternbildern Adler, Schütze, Skorpion, Waage, Jungfrau, Bärenhüter und Herkules liegt ein wenig auffälliges, aber sehr ausgedehntes Sternbild – der Schlangenträger.
Darstellung am 15. Juli 23:00 MESZ
© Robert Blasius 2008 Stellarium 0.9
Der Schlangenträger besitzt eine ringförmige Gestalt, von der westlich und östlich die Sterne der Schlange ausgehen. Die südlichen Teile des Schlangenträgers liegen in einer sternreichen Gegend der Milchstrasse, nahe dem galaktischen Zentrum. Daher findet man in dieser Region auch viele Sternhaufen und Nebel. Obwohl die Ekliptik durch das Sternbild verläuft und sich die Sonne darin länger aufhält (vom 30. November bis zum 18. Dezember) als im benachbarten Skorpion, gehört er nicht zu den Tierkreiszeichen.
Der gängigsten Überlieferung nach stellt der Schlangenträger Asklepios (lat. Äskulap) dar. Seine Eltern waren der Gott Apollon und dessen Geliebte Koronis, welche neben dem Gott der Künste und des Lichtes noch einen weiteren Geliebten hatte. Als Apollon davon erfuhr tötete er Koronis. Noch im Sterben verriet sie ihm, dass sie ein Kind des Gottes in sich trage. Apollon gelang es das Kind zu retten. Er ließ den Knaben von Cheiron, einem weisen Kentauren, aufziehen, welche ihn auch in der Kunst der Heilung und Salbung unterrichtete. Asklepios wurde alsbald selbst ein großer Heiler und Wohltäter der Menscheit. Als er jedoch einen Toten wieder zum Leben erweckte, empfand der Göttervater Zeus dies als Anmaßung und erschlug ihn mit einem Blitz.
Die Bezeichnung Ophiuchus kommt bereits in der frühesten griechischen Astronomie vor und war auch den Römern bestens bekannt. Von Asklepios leitet sich der schlangenumrankte Äskulabstab ab, der zum Symbol der Heilkunst wurde.
Himmelsübersicht
Die Erde erreicht am 4. Juli mit 152 Mio. km ihre größte Entfernung zur Sonne, somit hat der Sommer endgültig Einzug gehalten. Regulus ist bereits im Westen untergegangen und die helle Spica steht tief am Süd-Westhorizont. Auch Arktur im Bärenhüter ist im Untergang begriffen. Das Frühlingsdreieck ist durch das Sommerdreieck abgelöst worden. Schon vor Erreichen der astronomischen Dämmerung ist die markante Sternkonstellation mit Wega (Leier), Deneb (Schwan) und Atair (Adler) hoch am Himmel in östlicher Richtung zu erkennen. Die Nächte sind nach wie vor noch recht kurz, dafür präsentiert sich der Nachthimmel mit einigen wunderbaren Kugelsternhaufen von seiner funkelnsten Seite. Sonnenuntergang ist am 15. Juli um 21:13 MESZ, die astronomische Dämmerung wird gegen 23:44 erreicht.
Mond und Planeten
Neumond ist im am 3. Juli, der nächste Vollmond findet am 18. Juli um 9:59 Uhr statt.
Merkur erreicht seinen größten westlichen Winkelabstand zur Sonne und ist nur unterhalb des 47. Breitengrades am Morgenhimmel zu sehen, während Venus Anfang des Monats in obere Konjunktion zur Sonne tritt und ihr in nächster Nähe durch den Tierkreis folgt, so dass sie im Juli ebenfalls nicht beobachtbar ist. Mars zieht sich vom Abendhimmel zurück und ist noch für kurze Zeit am Morgenhimmel zu beobachten. Gegen 23:00 Uhr kann man Mars noch zusammen mit Saturn und dem zunehmenden Mond als hübsches Dreigestirn am Westhimmel antreffen, bevor er sich vom Nachthimmel verabschiedet und für die nächsten Monate seine Reise über den Taghimmel antritt und somit unbeobachtbar bleibt. Saturn zeigt sich uns noch ein letztes Mal am sommerlichen Himmel, bevor er im letzten Drittel des Monats für das bloße Auge ebenfalls unbeobachtbar wird. Alleiniger Star am Nachthimmel ist nun Jupiter.
Rückläufig im Schützen kommt der Riesenplanet am 9. Juli in Opposition zur Sonne. Damit ist seine günstigste Beobachtungsperiode dieses Jahr erreicht.
Leicht ist er tief im Süden auszumachen, da er, abgesehen vom Mond, das hellste Objekt des Juli-Sternhimmels darstellt.
Allerdings steht er tief im südlichen Tierkreis und hat mit fast -23° Deklination die südlichste seit 1996. Dies bedeutet aber auch, dass Jupiter die nächsten Jahre wieder höher am Firmament klettern wird und seine Beobachtung damit wieder deutlich einfacher und besser ausfällt.
Sternbilder
Nach seinem Meridiandurchgang zeigt sich das, aus überwiegend schwach leuchtenden Sternen bestehende, Sternbild Herkules hoch im Süden von seiner besten Seite und lädt zu einer ausgedehnten Beobachtung des berühmten Kugelsternhaufens M13 ein. Ausgehend vom Herkules kommt man zu einem bogenförmigen Sternbild der „nördlichen Krone“. Knapp südlich der Krone stößt man auf den Kopf des Sternbildes Schlange, welche im weiteren Verlauf nach Osten abknickt und durch das Sternbild Schlangenträger führt. Ihr Schwanz, eine kerzengerade Sternkette zeigt in Richtung Atair, dem Hauptstern des Adler. Der Schlangenträger ist ebenfalls ein sehr ausgedehntes von überwiegend lichtschwachen Sternen geprägtes Sternbild.
Im Westen ist noch das Sternbild Waage zu erahnen, gefolgt von dem markanten Skorpion mit seinem Hauptstern Antares, der sich ebenfalls tief im Süden befindet.
Einen Blick auf unser Milchstraßenzentrum kann man im Sternbild Schütze erhaschen, das, wie auch Herkules kurz vor dem Meridiandurchgang steht.
Sternschnuppen
Vom 11. bis 18. August leuchten die Delta-Aquariden auf. Ein nicht sehr spektakulärer Sternschnuppenstrom, dessen Ursprung im Wassermann zu finden ist. 2008 liegt das Maximum ca. um den 27. Juli und beträgt ungefähr 20 Sternschnuppen pro Stunde. Länger zu beobachten, vom 2. Juli bis 14. August, sind die Alpha-Capricorniden (Radiant im Steinbock). Das Maximum wird am 29. Juli erwartet. Allerdings ist es mit 10 Sternschnuppen pro Stunde nicht sonderlich ausgeprägt. Die Objekte der Alpha-Capricorniden sind recht langsam, nur durchschnittlich 25 km/s.
Sternhimmel am 15. Juli um 22:00 MEZ:

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